MarienkäferPhilosophie Werkstatt

Die Suche nach dem Guten, Wahren und Schönen.

Sind wir Idealisten? Philosophische Grundüberlegungen

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Ja, wir haben eine Utopie. Eine Utopie ist eine Idealvorstellung, wie das Leben von uns selbst – und von der Gesellschaft um uns herum sein sollte. Einfach gesagt: demokratisch, im Einklang mit der Natur, gleiche Lebensmöglichkeiten für alle. Klar, hört sich ideal an und ist es auch. Aber umgekehrt gefragt: wie soll es ohne Idealvorstellung gehen?

Wenn ich kein Ziel in der Ferne habe, auf das ich zusteuern möchte, in welche Richtung laufe ich dann? Ob ich das Ziel erreiche, ist eine andere Sache, aber dass man schon mal loslaufen kann – das ist möglich und das möchten wir tun. Und je klarer ein Ziel ist, desto sicherer kann man laufen.

Warum weg aus der Stadt? Ist das nicht eine Flucht?

Diese Gedanken hatte ich: läuft man nur weg und isoliert sich auf so einem Hof, weil man es sich gerade leisten kann? Um mit dem Kategorischen Imperativ von Kant zu sprechen: müsste man nicht zuerst politisch dafür kämpfen, dass sich das alle leisten könnten?

Aber es ginge rein räumlich gesehen ja garnicht, dass alle sich einen Bauernhof nehmen und Selbstversorger werden. Also Selbstversorger soweit es ginge, zumindest eigenen Anbau, ein paar Tiere. Also was nun? Wenn es nicht alle tun können, haben wir dann das moralische Recht, es einfach für uns in Anspruch zu nehmen?

Haus mit Garten für alle?

Alexander von Rüstow (Ökonom) hatte die  Vorstellung, dass jeder Mensch das Recht und die Möglichkeit haben sollte, ein eigenes Häuschen zu besitzen mit Grünfläche für einen Garten drumherum. Dass die Industrie sich generell auf mittelmäßige Manufakturen beschränken sollte, die ihre Umwelt nicht langfristig schädigen.

Dies war ihm wichtig, weil er überzeugt war, dass die Menschen in den grauen Plattenriesen und Hochhäusern wie Hühner in zu engen Ställen zusammengequetscht werden, viel zu wenig Freiraum und vor allem auch keine natürliche Grünfläche um sich herum haben.

In solchen Lebensumständen aber können Menschen nicht glücklich werden. Zumindest sollte jeder Mensch die Möglichkeit haben, sein Leben so zu gestalten und nicht durch Armut und mangelnde Privilegien davon ausgeschlossen sein.

Wir machen es einfach

Wir haben uns jetzt entschlossen, das Projekt in die Tat umzusetzen. Mit allen Problemen und Schwierigkeiten, die es geben mag – und so politisch und philosophisch wie möglich. Dazu gehört eben, dass wir unseren Weg öffentlich machen und uns mit den Meinungen auseinandersetzen, die andere dazu haben.

Wichtig ist uns, dass sowohl das praktische Handeln als auch die Philosophie dazugehören. Denn herauszufinden, was man theoretisch für richtig hält, ist unvermeidlich, wenn man es dann in die Praxis umsetzen will. Dies betrifft nicht nur das Bauernhofprojekt, sondern alles, Gesellschaft, Politik, alle Themen.

Philosophie heißt auch, klare Kritik zu äußern und zwar überall wo man es für nötig hält. Was natürlich nicht immer so einfach ist, weil viele Abhängigkeiten bestehen. Was das praktische betrifft, sind wir Stadtgewächse und Laien und müssen viel lernen. Also freuen wir uns über alle Rückmeldungen, Tipps, Unterstützung und auch Kritik.

2 Kommentare

  1. Hallo ihr beiden,

    ein schöner und ein realisierbarer Traum, den ihr da vorhabt. Vor allem gefällt mir auch, dass ihr euch nicht als „Aussteiger“ definiert, sondern euch politisch und philosophisch engagieren wollt.
    Man kann nämlich aus einer Gesellschaft gar nicht aussteigen, man kann sie höchstens ignorieren. Und wer sich in einer Demokratie nicht aktiv dafür einsetzt, dass sie uns erhalten bleibt und ständig verbessert wird, der ist mit verantwortlich, wenn wir immer mehr Freiheiten verlieren.
    Euer Konzept finde ich also ausgezeichnet. Ich wünsche euch viel Erfolg und bin ganz neugierig auf die weitere Entwicklung.

    Viele Grüße
    Marina

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